Pinsa selber machen: Das Rezept für luftig-knusprige Fladen (+ Belag-Ideen)
Luftig, knusprig, bekömmlich – Pinsa selber machen ist einfacher, als du denkst. Hier kommt mein Rezept mit der richtigen Mehlmischung, über 15 Belag-Ideen und der Schnell-Lösung mit fertigem Boden.
Daniel — Familienvater und Hobby-Pizzabäcker seit über fünf Jahren. Bei der Pinsa hat nicht das Können den Unterschied gemacht, sondern die Mehlmischung und die Zeit.

Pinsa selber machen klang für mich lange nach einer Sache für echte Profis. Bis ich in einer kleinen Pinseria zum ersten Mal reingebissen habe: außen richtig knusprig, innen so luftig und leicht, dass ich dachte, da steckt irgendein Trick dahinter. Zuhause habe ich dann schnell gemerkt – der Trick ist kein Können, sondern zwei Dinge: die richtige Mehlmischung und Zeit. Genau das nimmt dir den Druck. Du musst nicht jonglieren können wie ein Pizzaiolo in Neapel, du musst den Teig nur in Ruhe arbeiten lassen.
In diesem Artikel zeige ich dir mein Rezept, die Mehlmischung dahinter, über 15 Ideen zum Belegen – und für die eiligen Tage auch, wie du mit einem fertigen Pinsa-Boden in zehn Minuten am Tisch sitzt.
Übrigens kommt die Pinsa aus derselben Stadt wie die klassische römische Pizza vom Blech, ist aber nicht dasselbe. Bei der Pinsa macht die Mehlmischung aus Weizen, Reis und Soja den Unterschied, bei der Blechpizza sind es reines Weizenmehl, deutlich mehr Wasser und zwei Tage Gare.
01 · Was ist eine Pinsa eigentlich? (Pinsa vs. Pizza)
Die Pinsa ist ein länglich-ovaler Fladen, niemals rund. Sie ist außen knusprig und innen wattig-luftig, mit großen, unregelmäßigen Poren. Wer sie das erste Mal sieht, hält sie für eine etwas missratene Pizza – und liegt damit ziemlich daneben.
Der größte Unterschied steckt im Teig. Während eine Pizza nur aus Weizenmehl besteht, arbeitet die Pinsa mit einer Mehlmischung, hat deutlich mehr Wasser drin und reift länger. Das Ergebnis ist leichter im Magen und knuspriger im Biss. Damit ist die Pinsa ein eigener Stil und keine abgewandelte Pizza – wo sie zwischen den anderen Stilen steht, zeigt dir meine Pizza-Welt.
Und weil das Thema immer aufkommt: Die Pinsa gilt als bekömmlicher als Pizza. Das ist plausibel – die lange Gare und der hohe Wasseranteil sorgen dafür, dass der Teig schon vor dem Backen einen Teil der Arbeit erledigt, die sonst dein Magen übernimmt. Aber ich will dir nichts vormachen: Belastbare wissenschaftliche Vergleichsstudien zur Verdaulichkeit gibt es bislang nicht. Der Effekt kommt von der Fermentation und dem Wasser, nicht von einem Geheimtrick.
Noch ein kleiner Mythos zum Aufräumen: Die Geschichte, die Pinsa sei ein uraltes Rezept der Römer, ist hübsches Marketing. Reismehl kannten die Römer schlicht noch nicht. Die heutige Mehlmischung ist eine clevere moderne Erfindung – das macht sie kein bisschen schlechter, aber du musst dir keine antike Rezeptur einreden lassen.
Der Unterschied zur Pizza in 4 Punkten
| Merkmal | Pizza | Pinsa |
|---|---|---|
| Mehl | nur Weizen (Tipo 00) | Mischung: Weizen + Reis + Soja |
| Hydration | ca. 60 % | 75–80 % |
| Form | rund | länglich-oval |
| Krume | dünn, gleichmäßig | luftig, große Poren |
02 · Die richtige Mehlmischung – das Wichtigste an der Pinsa
Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Die Mehlmischung macht die Pinsa zur Pinsa. Klassisch besteht sie aus drei Komponenten.
Das Weizenmehl (Tipo 00) liefert das Gerüst, also das Gluten, das den Teig zusammenhält. Das Reismehl ist der eigentliche Star – es lockert die Krume auf und sorgt für die typische Knusprigkeit. Und ein kleiner Anteil Soja- oder Kichererbsenmehl bringt Bindung, zusätzliche Proteine und ein feines, nussiges Aroma. Wie sich die einzelnen Mehlsorten sonst beim Pizzabacken verhalten, steht in meinem Guide zum Pizzamehl.

Du hast zwei Wege. Entweder du kaufst eine fertige Pinsa-Mehlmischung – dann ist das Verhältnis schon perfekt abgestimmt und du musst nichts abwiegen. Oder du mischst selbst: Mein Verhältnis steht weiter unten im Rezept. Für den Einstieg empfehle ich die fertige Mischung, weil du dann sofort ein Gefühl dafür bekommst, wie sich der Teig anfühlen soll. Wenn du das einmal kennst, kannst du jederzeit selbst mischen.
Frießinger Mühle – fertige Pinsa-Mehlmischung mit dem klassischen Verhältnis aus Weizen, Reis und Soja
Die Frießinger Mühle-Mischung nimmt dir das Abwiegen ab – Weizen, Reis und Soja sind im richtigen Verhältnis schon drin, dazu etwas Hartweizen für den Biss. Genau das, womit ich angefangen habe: Du bekommst sofort ein Gefühl für den nassen, luftigen Pinsateig, ohne drei Mehlsorten einzeln zu kaufen. Das 1-kg-Paket reicht für rund 8 bis 10 Pinse.
Hinweis: Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis selbstverständlich gleich.
03 · Pinsa-Rezept: Schritt für Schritt (Papas Version)
Jetzt wird gebacken. Mein Rezept arbeitet bewusst mit wenig Hefe und langer kalter Gare – das ist mehr Zeit, aber kaum Arbeit, und der Geschmack ist eine andere Liga. Plan also einen Tag (besser zwei) vorher ein.

Zutaten für 4 Pinse
- 400 g Weizenmehl Tipo 00
- 75 g Reismehl
- 25 g Soja- oder Kichererbsenmehl
- 330–360 g eiskaltes Wasser (Hydration rund 75–80 %)
- 1,5 g Frischhefe
- 10 g Salz
- 15 g Olivenöl
- optional: 25 g Lievito Madre als Aroma-Upgrade
So geht’s
- Mehle in einer großen Schüssel mischen. Die Hefe im größten Teil des eiskalten Wassers auflösen.
- Das Wasser schluckweise zum Mehl geben und kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht – rund zehn Minuten. Der Teig wirkt anfangs erschreckend nass. Keine Panik, das gehört so. Zum Schluss Salz, Öl und das restliche Wasser einarbeiten.
- Den Teig 30 Minuten ruhen lassen und dabei zwei- bis dreimal dehnen und falten.
- Abgedeckt für 48 bis 72 Stunden in den Kühlschrank. Je länger, desto aromatischer.
- Etwa eine Stunde vor dem Backen rausholen, in vier Teiglinge teilen und mit reichlich Reismehl oder Semola sanft in die typische ovale Form ziehen.
- Ofen mit Pizzastahl auf der obersten Schiene auf Maximaltemperatur vorheizen (250 °C oder mehr). Den blanken Boden mit etwas Olivenöl kurz vorbacken.
- Belegen und fertig backen. Empfindliche Zutaten kommen erst nach dem Backen drauf.
Eine Sache, die viele unterschätzen: Pinsa wird zweimal gebacken. Erst der nackte Teig mit einem Schuss Olivenöl, dann erst mit Belag. So bleibt der Boden knusprig und weicht nicht durch.
Pinsa ohne Lievito Madre (nur mit Hefe)
Du brauchst keinen Lievito Madre, um eine richtig gute Pinsa zu backen. Meine 1,5 Gramm Frischhefe und die lange kalte Gare reichen vollkommen. Der Sauerteig – bei mir hört der auf den Namen Hefdi – bringt nur etwas mehr Tiefe im Aroma. Schön, wenn du ihn hast, aber kein Muss. Lass dich von Rezepten, die ihn zur Pflicht erklären, nicht abschrecken.
Pinsa mit Trockenhefe oder schnell
Kein Frischhefe-Fan? Trockenhefe geht genauso, du brauchst nur etwa ein Drittel der Menge. Wie du Trockenhefe richtig dosierst und aktivierst, habe ich dir im Detail im Artikel zum Pizzateig mit Trockenhefe aufgeschrieben. Und wenn es mal schnell gehen muss: Mehr Hefe und Raumtemperatur verkürzen die Gare – das Aroma leidet zwar, aber an einem spontanen Abend ist das völlig okay.
04 · Pinsa belegen – über 15 Ideen (klassisch bis verrückt)
Jetzt zum schönsten Teil. Bevor wir loslegen, eine wichtige Grundregel: Die Pinsa ist nur kurz im heißen Ofen. Festes Gemüse also vorgaren oder hauchdünn schneiden, sonst ist der Boden fertig, bevor der Belag durch ist. Und alles Empfindliche – Basilikum, Rucola, Burrata, roher Schinken – kommt erst nach dem Backen obendrauf.

Klassisch rot
- San Marzano Tomaten, Fior di Latte, Basilikum (der Klassiker, der nie enttäuscht)
- Salami, Tomate, Mozzarella, Oregano
- Tomate, Champignons (vorgegart), Mozzarella
Bianca – ohne Tomatensauce
- Schmand oder Crème fraîche als Basis, dazu Kartoffeln, Rosmarin, Pecorino
- Crème fraîche, Räucherlachs, Dill, Zitrone (nach dem Backen)
- Weiße Basis, Pilze, Trüffelöl
Herzhaft mit Schinken
- Parmaschinken, Rucola, Parmesanspäne – alles drei erst nach dem Backen drauf
- Kochschinken, Champignons, Mozzarella
- Mortadella, Pistazien, Stracciatella (nach dem Backen)
Vegetarisch & vegan
- Gegrillte Zucchini, Aubergine, Paprika, Mozzarella
- Vegan: Cashew-Creme-Basis, geröstetes Gemüse, Hefeflocken (mehr dazu im Artikel zu veganen Pizzabelägen)
- Tomate, Spinat, vegane Käsealternative
Die Wow-Topper
- Feigen, Burrata, Honig, ein paar Walnüsse – frische Feigen erst nach dem Backen
- Birne, Gorgonzola, Honig, Thymian
- Süße Dessert-Pinsa mit Ricotta und Beeren – Ideen dazu findest du bei den süßen Dessert-Rezepten
Pinsa vor oder nach dem Backen belegen?

Kurz und klar: Sauce, Käse und vorgegarte Beläge kommen vor dem Backen drauf. Alles Frische und Hitzeempfindliche – Rucola, Basilikum, Burrata, roher Schinken, frische Feigen – legst du erst nach dem Backen auf die heiße Pinsa. So bleiben Aroma, Farbe und Biss erhalten.
05 · Keine Zeit? Fertigen Pinsa-Boden belegen und backen
Nicht jeder Abend lässt 48 Stunden Vorlauf zu, das kenne ich gut. Für genau diese Tage gibt es fertige, vorgebackene Pinsa-Böden. Die bekommst du im Supermarkt – bei Aldi, Lidl, Edeka oder Rewe taucht regelmäßig welche auf – oder bequem online.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Du sparst dir Teig, Gare und Formen komplett. Boden belegen, in den heißen Ofen, fertig. Achte nur darauf, dass es sich um einen vorgebackenen Boden handelt und nicht um rohen Teig – der wird anders behandelt. Den vorgebackenen Boden belegst du direkt und schiebst ihn für wenige Minuten bei hoher Temperatur in den Ofen, bis der Käse läuft und der Rand Farbe nimmt.
Pinsa Romana – ofenfertige, vorgebackene Pinsa-Böden im Steinofen-Stil
Die ofenfertigen Pinsa Romana-Böden sind im Steinofen vorgebacken – du belegst sie nur noch und schiebst sie für 5 bis 7 Minuten in den heißen Ofen. Schon luftig und mit ordentlich Poren, weil sie aus echtem Pinsateig mit langer Gare gemacht sind. Meine Notlösung für spontane Abende, wenn die 48 Stunden Vorlauf einfach nicht drin sind.
Hinweis: Wenn du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis selbstverständlich gleich.
Und ja: Fertigböden sind richtig gut und ich habe sie öfter im Vorrat. Aber im direkten Vergleich schlägt die selbst gemachte Pinsa sie im Aroma jedes Mal. Wenn du also mal Zeit hast – das Rezept weiter oben wartet auf dich.
06 · Häufige Fragen zur Pinsa (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Pinsa und Pizza?
Die Pinsa wird aus einer Mehlmischung (Weizen, Reis, Soja) statt nur Weizenmehl gemacht, hat deutlich mehr Wasser im Teig und reift länger. Dadurch ist sie luftiger, knuspriger und wird länglich-oval geformt statt rund.
Ist Pinsa gesünder als Pizza?
Pinsa gilt durch die lange Gare und die Mehlmischung als bekömmlicher. Sie hat oft etwas weniger Fett und eine lockerere Krume. Belastbare wissenschaftliche Vergleichsstudien zur Verdaulichkeit gibt es bisher aber nicht – der Effekt kommt vor allem von der langen Fermentation.
Wie belegt man eine Pinsa?
Tomatensauce oder eine weiße Basis (Schmand, Crème fraîche) dünn auftragen, dann Käse und vorgegarte oder dünn geschnittene Beläge. Empfindliche Zutaten wie Basilikum, Rucola oder Burrata kommen erst nach dem Backen drauf.
Kann man Pinsa-Teig auch ohne Lievito Madre machen?
Ja. Du brauchst keinen Lievito Madre – eine kleine Menge Frischhefe und eine lange kalte Gare im Kühlschrank reichen völlig aus. Der Sauerteig bringt nur etwas mehr Aroma.
Wie lange muss Pinsa-Teig gehen?
Mindestens 24 Stunden im Kühlschrank, ideal sind 48 bis 72 Stunden. Je länger die kalte Gare, desto aromatischer und bekömmlicher wird die Pinsa.
Welches Mehl braucht man für Pinsa?
Klassisch eine Mischung aus Weizenmehl Tipo 00, Reismehl und etwas Soja- oder Kichererbsenmehl. Fertige Pinsa-Mehlmischungen nehmen dir das Abwiegen ab.
07 · Zusammenfassung
- Die Mehlmischung aus Weizen, Reis und Soja macht die Pinsa zur Pinsa – nicht das Können.
- Zeit statt Aufwand: wenig Hefe, lange kalte Gare von 48 bis 72 Stunden.
- Hohe Hydration (75–80 %) sorgt für die luftige Krume – der nasse Teig ist gewollt.
- Oval formen und zweimal backen: erst blank, dann belegt.
- Empfindliche Beläge immer erst nach dem Backen drauf.
08 · Fazit
Pinsa selber machen ist kein Hexenwerk – es ist Geduld in Teigform. Wenn du das Prinzip einmal verstanden hast, willst du kaum noch zurück zur klassischen Pizza, weil dieser luftige, knusprige Boden einfach süchtig macht. Fang mit der fertigen Mehlmischung an, taste dich an die lange Gare heran, und probier dich beim Belegen aus.
Und jetzt bist du dran: Welcher Belag kommt bei dir auf die erste Pinsa? Schreib’s mir in die Kommentare – ich bin gespannt, ob jemand meine Feigen-Burrata-Kombi schlägt.

